Sonntag, 6. Juni 2010

Pfingstreise, Graz und der letzte Besuch

Nachdem wir nun die Uni hier am 18. Mai mit einer Präsentation unseres kleinen Städtebauprojektes beendeten, machten wir uns auf nach Ljubljana, Slovenien. Im Zugabteil leisteten uns 9h lang 2 junge Männer aus Belgien bzw. Uruguay Gesellschaft, was mir ganz lieb war, denn noch bevor der Zug aus dem Budapester Deli Palyaudvar fuhr, wurden wir bebettelt. Direkt, bei geschlossener Abteiltür. Dreist! Und nervig.

Während die Fahrt durch Ungarn landschaftlich relativ gleichbleibend langweilig flach verlief, wurde es in Slovenien richtig wunderbar! Das Land hat uns schnell begeistert. Es ist nicht - wie vorher fälschlicherweise angenommen - ein grummeliges Ostblockland, sondern ziemlich gestriegelt deutschig. Selbst Gartenzwerge wurden gesichtet, frisch gestrichene Häuser, Kieseinfahrten, neue Autobahnen, und soweit das Auge reicht: Hügel, Berge, Felder - und nicht zuletzt schneebedeckte Gipfel der südlichen Alpen am Horizont! Hinzu kam bestes Wetter, ein spitzen Hostel und ein Wiedersehen mit unseren Freunden, mit denen wir jedes Jahr zu Pfingsten eine Woche verreisen. Ljubljana ist mit 280.000 Einwohnern ziemlich übersichtlich, das ganze Land hat nur 2 Mio. Einwohner. Die meisten Slovenen verstehen Deutsch und Englisch, selbst die Älteren. Es scheint ein beliebtes Reiseland zu sein. Viele Deutschsprachige hörten wir, mit dem Auto aus Österreich ist es auch nur ein Steinwurf entfernt. 

Einen äußerst erholsamen Tag verbrachten wir in Bled. Der Ort liegt am Fuße der Alpen im Norden des Landes. Im Sommer wird man sich dort vor Touristenansturm nicht mehr retten können, aber wir waren glücklicherweise jetzt schon dort. Häufig überlegten wir, welches Ereignis diesen kitschigen Ort noch kitschiger macht. Wir umrundeten einmal den See von Bled, aus dessen Mitte eine Insel ragt, auf der eine Kirche zu besichtigen ist. Für 15 Euro kann man sich in einem Boot für 10 Personen dort hinüber schippern lassen, die Freitreppe zur Kirche hinaufgehen und sich einmal im Kreis drehen. Die Insel ist sehr klein, der Ausflug dürfte kaum eine Stunde dauern. Das Panorama ist hier zu sehen:

Insel mit Kirche und Freitreppe

Picknick am Bleder See

Am Ende des Tages wurden wir von einem Schwan attackiert. Er störte unser Abschlusspicknick und war nahe dran, meine und andere Schuhe in den See zu werfen. Grundlos schnappte er wild umsich und vertrieb die ganze Gruppe. Arsch!

Eine interessante Ausstellung lief uns am vorletzten Tag über die Leber: "Laibach - Gesamtkunst". Eine slovenische Künstlergemeinschaft die sich mit Totalitarismus und Ideologien auseinandersetzte. In ihren Ausstellungen zu Beginn der 80er Jahre zeigten sie die sog. Nazi-Kunst, trugen Kleidung und Verhaltensweisen ansich, die stark an den Nationalsozialismus erinnert. Heimatbilder, Schäferhunde, starrer Blick in den Himmel, ein schwarzes Kreuz als Signet. Immermehr widmeten sie sich der Musik und sind heute mehr als Band, denn als Künstler bekannt. http://www.laibach.nsk.si/recapitulation-2009-gallery/

Tür in der Universitätsbibliothek Ljubljana

Nach 5 Tagen Ljubljana und einer gehörigen Portion Jože Plečnik (siehe oben) reisten Conrad und ich weiter nach Graz zu Lukas und Hieu. 2 Tage blieben uns dort. Schon deutlich erledigt von langen Nächten in Slovenien ging uns ein wenig die Puste aus. Also gingen wir alles ziemlich ruhig an, die Stadt ist erlaufbar, blöd nur, dass es ununterbrochen regnete und die Temperaturen sich im gefühlten einstelligen Bereich befanden. Graz ist eine gemütliche Stadt, die im Gegensatz zu Budapest wenig Reibungsfläche besitzt. Viel zeitgenössische Architektur gabs aufs Auge. Im Kunsthaus Graz gabs BLESS N°41 und das Gebäude ansich. Sicher ist euch dieses bekannt: http://www.museum-joanneum.at/de/kunsthaus/das_gebaeude_1

the needle - Aussichtsplattform am Kunsthaus Graz, draußen Regen

Wir blickten neidvoll auf die gute Organisation der Architektur-Fakultät der TU. Dort gibt es Arbeitsräume, genannt "Zeichensäle" für umsonst, im Ober- und Dachgeschoss der Uni finden einige Architekturstudenten Platz. Da die Plätze aber auch dort begrenzt sind, gibt es zu Beginn jedes Semesters ein langes, internes Auswahlverfahren über Neuankömmlinge. Die Räume sind ca. 200m² groß, sind mit Plotter, Beamer und Modellbaukram ausgestattet. Perfekte Arbeitsatmosphäre! Natürlich wird der Raum auch mal für eine kleine Feierei umgenutzt.

Seit knapp einer Woche sind wir nun wieder in unserer Wohnung, fanden es eigentümlich nach der Reise wieder hierher zurückzukehren, zumal wir nur noch wenige Tage hier haben. Wir planen gerade einen motorisierten Ausflug Richtung Siebenbürgen. Unsere Wanderschuhe haben Bedarf angemeldet, sie verstauben gerade ziemlich.

Anne Sophie und Conrad im Burgviertel

Donnerstag, 13. Mai 2010

Die Spargelsaison ist eröffnet!


..aber die erste sauce hollandaise ist trotzdem gestockt. Trotz des intensiven Trainings bei Mama. Beim nächsten Mal erst das Eigelb!

Weils so schön ist, schreibe ich auch etwas von der letzten Zeit, die Carina ja schon im letzten Eintrag zusammengefasst hatte. 

In unserem Städtebauseminar stecken wir in der zweiten Phase. Im ersten Teil des Semesters sind wir durch Budapest gelaufen und haben aktuelle Probleme und Tendenzen etc. kennengelernt. Dabei sind wir auch in Stadtgebiete gekommen, die eher arm als reich sind und denen gerade von offizieller Seite unter die Arme gegriffen wird. Für den 8. Bezirk wurde eine Firma "Rev8" (Revitalisierung) eingerichtet, die nur zu Teilen der Stadtverwaltung gehört und dort punktuell mit geringem Budget Verbesserungen schafft, um somit den Perpetuummobilewollmilchsauverbesserungsprozess in Gang zu setzen. Der genannte Bezirk (Josephstadt) ist ein typischer Gründerzeitbezirk und war eigentlich vom Bürgertum und der "kritischen Intelligenzia" (hab ich nicht erfunden) bewohnt. Im Sozialismus waren die Bewohner dann aber doch zu kritisch und so wurde der Bezirk nach dem Volksaufstand 1956 systematisch lebensqualitätmäßig ausgehungert, um die Bewohner "abzustrafen". An vielen Häusern kann man noch die Kugel/Granateneinschläge bewundern, die beweisen, dass spätestens seit 1956 dort nix mehr passiert ist. Mittlerweile ist der Stadtteil der mit der höchsten Arbeitslosigkeit, der höchsten Kriminalität, dem höchsten Sinti/Romaanteil und dem größten Zentrum für Obdachlose. Das es dort nicht ganz so rosig zugeht hatten wir schon bemerkt, als wir relativ am Anfang unseres Aufenthaltes bei einer Stadterkundungstour dort durch sind. Unsere Kameras haben wir instinktiv nicht dem Tageslicht ausgesetzt und die dicken schwarzen S-Klassen in schäbigsten Hinterhöfen galant übersehen... Zwei Wochen später war dann unser Städtebauseminarausflug mit einer Truppenstärke von etwa 30 Kommilitonen und trotzdem wurden wir eingewiesen und darauf hin- , dass vor etwa 4 Jahren unser Städtebauprof in diese Gegend nicht alleine gegangen wär. Das dieser Ruf noch drin ist, konnte Carina wiederum zwei Wochen später bemerken, als sie im Rahmen der Workshopwoche (wir berichteten) mit Ihren beiden Budapester Gruppenmitgliedern dort Bilder machen wollte. 20m hinter der schützenden Hauptstraße weigerten sich die beiden wortlos, tiefer in die Löwenhöhle vorzudringen.. 

Zwei Strategien werden unternommen: einerseits kleine gemeinschaftliche Renovierungsprozesse durchführen, bei denen sich Bewohner durch MitArbeit dann ein neues Klo oder Ähnliches erarbeiten, nebenbei wird die Gemeinschaft gestärkt und der Stadtteilpark aufgeforstet und mit einem Spielplatz versorgt. Das durch Umbau gewonnene Stadtteilzentrum kann schon Erfolge bei der Kinderdisko aufweisen... Beim Rundgang kamen wir zu diesem Haus, dass eher lang als breit ist und zum Glück keinen gleichartigen Nachbarn hat, denn dann sähe der Hof noch schmaler aus. Im Haus sind viele Wohnungen untergebracht, die mit außenliegenden Galerien erschlossen werden. Vier Stockwerke hoch, Klo gemeinschaftlich jeweils neben den Treppenhäusern zum Laubengang ohne Tür (also ins Freie), das bringt viel Platz für enge Wohnungen: ca 25 qm (1 Zimmer + Kochnische)und wenig Privatsphäre. Was bei uns gern als Singlehaushalt vermietet wird, ist hier Realität für über 70% der Haushalte in Josephstadt - und diese bestehen dann aber auch aus bis zu 5 Personen. In Dresden bekomme ich meinen ganzen Plunder gerade mal in 23 qm und das fühlt sich nicht sehr geräumig an.
Eine andere Strategie wurde etwas weiter südlich angewendet: mit finanzstarken Investoren wird hier gerade versucht, eine Art starkes Rückgrat für den Bezirk zu schaffen:
Auf dem Bild habe ich das mal versucht darzustellen: rechts von der großen Kreuzung am linken Bildrand steht im Blockinnern ein Kino (mit dem grauen Dach), das ganz gut funktioniert. In Verlängerung der Längsachse das Kinos wird nach Osten hin die sogenannte 'Corvinpromenade' verwirklicht. Der erste Abschnitt ist eine recht große glasüberdachte Einkaufspassage - die ist schon so gut wie fertig. Weiter östlich entsteht ein länglicher Platz (die fehlenden Ränder habe ich rot ergänzt). Für das Projekt wurde eine bestehende Straße als Anhaltspunkt genommen, alle angrenzenden Häuser aber großflächig abgerissen. Ein vorher (von den Investoren) in Auftrag gegebenes Gutachten hatte ergeben, dass die bestehende Bausubstanz nicht erhaltenswürdig sei. Nach und nach wurden alle lose bestehenden Vorgaben (Baumasse, Geschosshöhe) im Planungsprozess an die Investoren verkauft, so dass jetzt mitten im Bezirk bis zu zehnstöckige Appartment- und Geschäftshäuser entstehen, die im krassen Gegensatz zur umgebenden Bebauung stehen (grün markiert). Vielleicht geht das Konzept auf (den Eiffelturm haben die Pariser ja auch am Anfang gehasst) und der Bezirk entwickelt sich zum 'Besseren'; etwas sensibler hätte man aber doch vorgehen können.
Ein Teilprojekt sieht auch den Neubau eines Fußballplatzes in der Nähe des Obdachlosenzentrums vor, den Budapest ist Weltmeister im Obdachlosenfußball (wurde uns gesagt). Das muss an der großen Auswahl liegen. 
200m von uns entfernt, am Sigmund Moritz Rundplatz soll ein 60er Jahre Pavillion umgebaut werden. Die vorbeigehende interessierte Öffentlichkeit darf zwischen zwei Entwürfen wählen. Währenddessen ist das Objekt eingerüstet und mit den Perspektiven der beiden Entwürfe behängt. Ein aufmerksamer Mensch hat allerdings auf den Architektentraumperspektiven etwas vermisst und es nachträglich ergänzt:


Auch weiterhin unternehmen wir große Touren durch die Stadt, mittlerweile ausgestattet mit Architekturführern und unserem wachsenden Wissen über die Zusammenhänge der Stadt. Dabei finden wir immer wieder Kurioses und ich kann meine fotografischen Sammelleidenschaften pflegen und viel Datenmüll ansammeln:

reich geschmücktes dreckiges Haus

BélaLajta: Handelsschule

Otto Wagner: Synagoge

Der Südbahnhof: Victor Vasarely draußen und Glas+Beton innen

Transformatorengebäude im 7.Bezirk

Staatsarchiv und BME

Die beiden letzten Bilder führen wieder zurück zum Städtebauseminar: als Abschluss des ersten Abschnitts mussten wir ein bebildertes Essay über ein Budapester Städtbauphänomen schreiben. Die Aufgabe war recht offen formuliert, es durfte nur nicht kopiert werden und sollte eher eine persönliche Beobachtung beschreiben als sehr wissenschaftlich zu sein. Carina wählte den 'Park der Jugend', der in Sichtweite vom heimischen Balkon liegt und so Manches zu bieten hat. Zum Beispiel den 'Feneketlen Tö' ('Der See ohne Grund'). Ich nahm den Anlass, über ein Kuriosum zu schreiben, das dem Richard und mir vor zwei Jahren zum ersten mal in Prag aufgefallen war: Entlüftungsschächte, etc.. Die Schönsten gibts in der Nähe der U-Bahn oder von Tunnelsn. Manche sind ganz klein und rostig, manche wiederum zeugen vom Stolz der technischen Errungenschaft. Wenn man einmal die Aufmerksamkeit auf solche Sachen gelenkt hat, hört's nie wieder auf.  


Diesen 'Augenwurm' konnte ich erfolgreich auf manche Gäste verpflanzen. Hihi. Caro und Tobi besuchten uns in einer respektablen 48h Hau-Ruck-Aktion, Arbeitsstress zuhause, Touristenstress in Budapest und dazu noch zweimal knapp zehn Stunden Nachtzug über osteuropäische Schienen. Und nun noch Entlüftungsschachte. Das hat der Welt noch gefehlt, Herr Lohmann! Eine von mir bestellt Leberpizza allerdings auch. Unser Lachkrampf darüber dürfte trotz slovakischer Schienen in Erinnerung bleiben. Ich schließe mich Carina an: Schön war's!

Auch schön war der Besuch von Carinas Eltern 3 Tage später. Lecker Essen und schöne Touren bis in die Budaer Berge gingen viel zu schnell vorüber.

Dazwischen mussten wir auch immer mal in der Uni erscheinen, denn mittlerweile neigen sich fast alle Kurse dem Ende zu.

Im Städtebaufach müssen wir jetzt den öffentlichen Raum der Umgebung des Unicampus aufwerten. Eine kleiner Entwurf mit wöchentlichen Konsultationen, am Dienstag ist Präsentation. Die nächsten Tage wird also fertigentworfen. 

Baugeschichte ist mit Aufwand zuendegegangen. Für den 2.Test haben wir nicht so viel gelernt, wie für den ersten, was auch reichen müsste. Zeitgleich mussten wir aber auch eine aquarellierte Bleistiftzeichnung einer Fassade eines vorgegebenen italienischen Renaissancegebäudes einreichen. Früher wurde fast nur so Architektur an den Hochschulen gelehrt, in Dresden mussten wir das aber nicht machen. Die Fassade mussten wir aber nicht selbst konstruieren, sondern haben sie mithilfe eines ausgehängten Fensters durchgepaust. Mit ausmalen dauert das mal ein Wochenende oder gar länger.

Unsere Ungarischklasse hat mit einem abschließendem Test auch ein Ende gefunden. Haben wir gut überstanden.
Mein Tageslichtkurs (man lernte einiges über das Phänomen Licht, die Dimensionierung von Öffnungen, etc.) ist noch nicht ganz vorbei. (Morgen muss ich mich am letztmöglchen Tag noch einschreiben in die Prüfung...). Allerdings gab es eine lustige Exkursion zu einem sogenannten 'Heliostat'. Das ist eine Vorrichtung, die Sonnenlicht mithilfe von computergesteuerten Spiegeln in dunkle Ecken eines Gebäudes lenkt. Im gezeigten Beispiel war das nur eine Spielerei für einen etwas schattigen Innenhof eines Bürohauses. Die ausführende Firma allerdings wollte anscheinend bei angehenden Architekten Eindruck erwecken, es gab nämlich ein kaltes Buffet mit ausgezeichneten kleinen Schnittchen und Kaltgetränken.

Nationalfeiertag und Wahl war auch noch!

Donnerstag, 6. Mai 2010

Heimat.

Ein Monat ist schon vorbei? Nee. Kann nich sein, kommt mir vor wie 2 Wochen. Zur Zeit habe ich das Gefühl in der Beschleunigungsmaschinerie zu sitzen. Da hat man in der Uni endlich mal was zu tun, was über eine Anwesenheitspflicht hinausgeht, und schon kommt einem jeder Tag ziemlich kurz vor. Heute haben wir unseren geliebten Ungarischkurs mit einem Test beendet, draußen schüttete es unglaubliche Tonnen Wasser vom Himmel und ich kam mir vor wie in der Schule, unter Neonleuchten saßen wir und beantworteten ein paar Fragen zu unserer Person, hängten Suffixendungen an Nouns und Adjectives, deklinierten schöne Verben. Danach zogen uns unsere Komilitonen ins 24h-Palatschinkenhaus. Alle möglichen Palacsinta für unter 1 Euro, Geschmack nicht inbegriffen.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass mir Budapest ganz gut passt. Ich muss gar nicht mehr zurück;) Wenn es hier aus allen Ecken spriest und der Flieder über die Zäune hängt, lässt es sich hier wunderbar aushalten. Zumal denkt man ziemlich oft an die gezählten Tage unseres Aufenthalts, und wenn dann auch noch der Länge nach Besuche anstehen, fühlt es sich wie Dresden an. Ich schnüffle auch gern mal etwas Kirschblüten:


Die meiste freie Zeit verbringen wir mit Stadtrundgängen. Mitunter kommen einem relativ kuriose Architekturen unter und manchmal sucht man speziell nach bautechnisch Besonderem. Beispielsweise die Autobusgarage in unserem Bezirk. Sie ist ingenieurstechnisch besonders interessant, weil die Halle mit ihren Ausmaßen von 70x100m ohne Mittelstützen auskommt. Als Lösung sah man mehrere, aneinandergereihte, elliptische Betonschalen vor, wobei diese Konstruktion damals in den beginnenden 40er Jahren noch relativ neu und unerprobt war. Der Architekt musste sich lange mit höherer Mathematik auseinandersetzen um die Statik nachweisen zu können. Im aktuellen Foto sieht man nur den Eingangsbereich der Anlage mit Brücke, hinten ein Stück der kurzen Seite der Halle, ein Wachhund schützte auch dort eine enorme Anzahl an Stadtbussen.


Weitere Eindrücke moderner Architektur gewannen wir

entlang großer Zubringerstrassen im Westen der Stadt:


... und am Deli Palyaudvar in mitten der Stadt. 

Die 60er haben hier eine recht kuriose Fassadengestaltung hinterlassen:



Ein Highlight in Budapest Ende April stellte die "Critical Mass" dar. Eine Radfahrerdemo quer durch die Stadt. Sieht ungefähr so aus: 

http://www.youtube.com/watch?v=SGE9zir3T8Q

Der Sinn der Sache ist recht simpel: mehr Radwege, bessere Bedingungen! Im Laufe der Zeit hat sich das Event zu einem Massenradschleppen entwickelt. Über 80.000 Radfahrer demonstrierten, 30.000 mehr als letztes Jahr. Leider haben wir kein Fahrrad hier, ansonsten wären wir mit von der Partie gewesen. Ich glaube, jeder der in der Stadt ein Rad besitzt war an diesem 24. April im Sattel! Die Tour endet im Osten der Stadt, genauer im Stadtwäldchen, dort wird tradtitionsgemäß das Fahrrad in die Luft gehoben und gefeiert.

2 Tage später bekamen wir Besuch von Caro und Tobi. Schön wars! Budapest in 48 Stunden, Sonnenbrand und Blasen an den Füßen. Gellért Hegy, Burg, Fischerbastei, Kettenbrücke, Turmbesteigung St. Istvan Basilika, Szimpla Kert, und abmatten aufm Sofa. Am Abend gabs unerwartet Leberpizza. Conrad hatte sich verbestellt. Köstlich! Am nächsten Tag jedoch holten wir kulinarische Fehlpässe im netten Restaurant "Menza" wieder auf und testeten gleich für den elterlichen Besuch der 3 Tage später folgen sollte.

 

Conrad erklärt Tobi das Funktionsprinzip der Exa. Im Hintergrund sitzen zufällig zwei spanische Erasmusmitstudenten, ebenfalls mit heimatlichem Besuch.


Hier guckt der Helmar riesen Fische im landschaftlich durchgestylten Millenarispark:


Am letzten Wochenende unternahmen wir in Familie wunderbare Touren in den Budaer Bergen, und immernoch haben wir nicht alle umliegenden Hügel erklommen. Unerwartet viele Täler offenbaren sich einem, die sich aus entfernteren Blickwinkeln nicht wahrnehmen lassen, das zieht dann eine Wanderung schonmal in die Länge, aber wir sind ja trainiert. 

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir meine Eltern und begrüßten am Abend Christiane am Gödör. Auf ihrer Durchreise nach Kroatien über Sarajevo blieben noch ein paar Stunden für ein Bier. Soviele vertraute Gesichter! Wunderbar. 

Zur Zeit planen wir unsere Reise nach Ljubljana. Am 24. Mai wollen wir schon dort sein und vorher noch 2 Tage Graz mitnehmen. Danach bleiben uns noch ganze 3-4 Wochen Ungarn. Vielleicht noch Romänien und Siebenbürgen, ein dicker Reiseführer wartet schon auf uns.


Sonntag, 11. April 2010

Kellemes húsvéti ünnepeket!

... frohe Ostern! Ja die hatten wir! Wie schon von Conrad erwähnt, ging es mit Lukas und Nina für 2 Ostertage ins 130 km, nordöstlich von Budapest gelegene, 66.000-Einwohner-Städtchen Eger. Am Ankunfstabend suchten und fanden wir ziemlich schnell eine Penzio, welche für uns ein 6-Bettzimmer übrig hatte. Blaue Wände, Messingfensterteilung, Frühstückstisch mit lachsfarbener Tischdecke unter der Glasplatte. Nach kurzen Kleinstadterkundungsgängen landeten wir am späten Abend in einer Spilunke mit wild feiernden 18-20-Jährigen. Eine Kostprobe vom Zitronen-Sahne-Törtchen blieb Lukas nicht verwehrt. Am nächsten morgen pellten wir uns mehr oder weniger schwerfällig aus den Kojen, genossen ein reichhaltiges Osterfrühstück, packten überflüssiges Gemeinschafts-Gepäck unter das Buffet, und machten uns leichten Schrittes aus der Stadt zum Berg. Zwischen Bükkgebirge und Matra lässt es sich gut wandern! Durch einige Datschen-Anlagen hindurchgeschlängelt fanden wir endlich den richtigen Weg zum Gipfel. Ein sehr steiler Aufstieg, mancher jedoch schleppte motiviert sein Rad bis hoch hinauf, um dann - nicht unspektakulär -  downzuhillen. Also mitm Rad abwärts schleudern...

Etwas vom Weg abgekommen, landeten wir in einem privaten Gartenhausgrundstück (siehe Foto oben) mit eiersuchenden Bewohnern. Mit lautem Geplapper wurden wir empfangen, als wir aus dem Wald stacksten und uns als Touristen outeten, Gelächter schallte im Hang. 

Eger ist so sauber, da kann man sich ruhig mal hinsetzen! Prost!



Mittwoch, 7. April 2010

Intensive Studio Week

Hier war diese Woche unimäßig das erste Mal etwas mehr los, leider nicht so spannend, wie wir am Anfang dachten.

Für die Architekturstudenten wurden letzte Woche alle Klassen gestrichen und eine 'intensive studio week' ausgerufen. Die verschiedenen Jahrgänge werden auf verschiedene Lehrstühle aufgeteilt, die Erasmusstudenten waren beim Städtebau Lehrstuhl, da nur dieser englischsprachige Seminare angeboten hat. Das war die erste Chance, endlich mal ungarische Mitstudenten kennenzulernen, da sonst leider alles getrennt abläuft: die Ungarn studieren auf Ungarisch, und die ausländischen Vollstudenten und die Erasmus-Austauschstudenten auf Englisch. Da nicht alle Lehrkörper des Englischen mächtig sind, kann man nur an ausgewählten Kursen teilnehmen. (Die Uni plant aber, alle Studenten in Zukunft zusammenzuführen, aber das wird schon eine Weile lang behauptet).

In dieser Studioweek wurden verschiedenste Workshoppppe veranstaltet, zwei davon auf Englisch, daran haben 5 Erasmusstudenten teilgenommen. Wir beide haben uns in getrennte Geschichten eingeschrieben, ich war in meiner Gruppe (15-20 Leute) der einzigste Ausländer, also wurde im Endeffekt auch nur wegen mir nicht Ungarisch gesprochen (was ganz gut geklappt hat). Diese Workshops sind für die regulären Studenten (also nicht die Erasmus) Pflicht, man bekommt aber kein Credit dafür. Das bedeutet, dass man sein reguläres Projekt nicht bearbeiten kann und dem Thema des Workshops ausgeliefert ist. Entsprechend motiviert waren die Kollegen. Ein netter Mitarbeiter von mir verabschiedete sich gleich mal zum Windsurfen für 2 Tage - das gute Wetter... 

Mein Thema war 'Kidnapping Tourists'. Auch wenn die anderenStädtebauworkshops andere Namen hatten, ging es im Endeffekt immer um das gleiche: nämlich Touristen abseits der immer gleich markierten Wege und Sehenswürdigkeiten auf andere Pfade in der spannenden Stadt zu locken.

Jeder Workshop behandelte ein anderes Stadtgebiet, wir hatten dasBurgviertel und Vizivaros zu beackern. Die Route musste einen roten Faden haben (z.B. schöne Türen, die meisten Treppen ...), nachvollziehbar sein und einen markanten Start_Zielpunkt haben, so dass Touristen auch dort vorbeikommen. Der Gruppenleiter hat uns erstmal Touristendaten erfragen lassen, die er auch zufällig in seiner Doktorarbeit benutzen kann ..., dann sollten wir die Gegend erkunden und die Route suchen. Das macht in der Dämmerung dann nimmer so viel Spaß, außerdem wars recht schwer Sachen zu entdecken, die auch den Touristen gefallen. Man kann ja nicht davon ausgehen, das jeder Fassaden analysieren kann oder im Straßenmuster die mittelalterliche Nichtstadtplanung herauslesen kann.

Wir waren also der Meinung, dass man den Touristen nix vorschreiben sollte - die die was erkunden wollen, machen das auch so, und die die die sonstigen Schätze der Stadt nicht erkennen wollen, muss man ja nicht zwingen.
Zusammen mit der Unlust, sich für diesen Workshop bis in tiefsten Nachtstunden zu beschäftigen, war die ganze Angelegenheit ein wenig zerrig. Carina hatte sich ja für einen anderen Workshop eingeschrieben, dann hatten wir ja noch die Nina (meine Dresdner Mitbewohnerin) zu Gast, außerdem kamen dann noch zwei Freundekommillitonnen aus Graz (Lukas und Hieu) für 3 Tage zu Besuch. Mit nur zwei Wohnungsschlüsseln ist man dann auch nicht so entscheidungsfrei bei der Organisation der Gruppenarbeit.

Aber es war gut, endlich mal ungarische Studenten (in meinem Fall hauptsächlich Studentinnen, von ca. 17 waren nur 3 männlich) kennenzulernen, da man ja bisher fast nur mit den Erasmusleuten zu tun hat.

Im Endeffekt haben wir dann eine 'Romantic Hideout Route' erfunden, Fotokollagen (siehe Vergleich) zusammengeschnitten und die Route mit recht dezenten Paar-Fußstapfen-Stickern markiert. Das war dann ganz lustig. Ein Mädel in meiner Gruppe wohnt direkt auf dem Burgberg im mittelalterlichen Bestand, dort ist echt eine schöne Ecke. Beschauliche Straße, Garten, Parkplatz hinterm Haus, dort die Burgmauer mit Blick über Budapest.

Seit 2 Monaten mal wieder am Rechner gearbeitet, die Tastaturkürzel sitzen noch; aber die Mitstreiter waren nicht davon zu überzeugen, nicht mit einem Pixelprogramm zu layouten, was wiederum die Sache in die Länge zieht:)

Carina hat die Route der schönsten Leuchtreklamen innerhalb der Plätze Astoria und Oktogon (Elisabethstadt) erarbeitet und das Problem der vielen gelangweilten Köche gleich umgangen, indem sie einfach alles druckfertig bearbeitet hat. Im Endeffekt musste sie auch noch das Faltblatt aus fix gedruckten A4s zusammenkleben - Ihre Teammates waren schon in den Osterferien. Im Foto oben sieht man Teile des Leporellos, welches jetzt zusammen mit allen anderen dort hängt:


Am Freitag gab´s die Abschlußveranstaltung. Dabei wurde auch noch eine Schnur quer durch diese Aula gespannt, an der dann die ausgedruckten Endergebnisse abgehangen wurden. Das große Modell ist DAS Offizielle der Stadt Budapest, das sich der Lehrstuhl aus dem Depot ausgeliehen hat.

1:500!
und nicht mal alles wurde aufgebaut!


Mit farbiger Wolle wurden die einzelnen Routen markiert. Die Ausführung war etwas chaotisch und langwierig, es wurden eben alle Studenten eines Jahrganges zum gleichzeitigen Agieren zu bewegen versucht.
Bei der offiziellen Rede auf Ungarisch sind wir zu unseren Gästen frühstücken gegangen.

Nach einem Besuch auf dem städtischen Friedhof am Freitag gings am Samstag mit der Bahn nach Eger. Vorab schonmal ein österliches Bild:



Montag, 29. März 2010

Raus in die Puszta.

Eine kleine Weile ist vergangen und nun erfasse ich den günstigen Moment zwischen Eisessen und Entspannungsbuchlesen für ein paar Rückblicke der letzten Tage.

Ein Zwischentest in Architekturgeschichte am vorletzten Montag verlangte dem vorangehenden Wochenende unsere volle Aufmerksamkeit ab. Schon 4 Tage vorher kaufte man sich eine riesen Kinder-Malrolle in Tapetenformat bei IKE* um darauf lustvoll den 3m langen Zeitstrahl der beginnenden italienischen und französischen Renaissancearchitektur zu ziehen. Brunelleschi, Alberti, Bramante, Michelangelo, Sangallo und nicht zuletzt Palladio (himself) versüßten uns das Frühlingswetter. Es galt eine Menge Gebäude und dessen Grundriss und Schnitt zu kennen, 30 an der Zahl.

Dann am Montag den 15.3., um 12:15 gab es DREI Fragen mit je DREI Punkten, die es in DREIßig Minuten zu lösen galt. Hach-wir hätten ein halbes Buch schreiben können...

Unser Budapester Freund Feri lud uns letzten Dienstag zu einer Stunde "Wirtschaftsdeutsch" ein. 12 ehrgeizige Ungarinnen lernen dort seit 2 Jahren. Conrad und Carina wurden als "Überraschung des Tages" angepriesen und durften sich der Klasse zunächst vorstellen. Dann bildeten sich zwei Gruppen und plötzlich fanden wir uns in einem Frage-Antwort-Spiel wieder. Eine Podiumsdiskussion ist sicher treffender. Wir sollten aktuelle Tendenzen in Wirtschaft und Politik klären, das deutsche Bildungssystem erläutern. Aber auch weniger heikle Fragen wurden diskutiert, beispielsweise "Stimmt es, dass die Deutschen immer nur Techno hören?"Am Ende wurde den Mädels eine dicke Hausaufgabe aufgedrückt, eine Zusammenfassung über alles Gesagte unsererseits. Haha. Wir hingegen nahmen die Dankeschön-Schokolade und gingen mit Feri auf einzwei Bier in den Pub. 

Am darauffolgenden Wochenende sind wir mit Nina ins 50 km entfernte Visegrád gefahren, das liegt recht idyllisch am Donauknie. Der umliegende Duna Ipoly Nationalpark und ist in der Nähe der Burg eher unidyllischer Massenvergnügungspark für Einheimische und Touristen. Zum Glück ist noch März, da tummeln sich nur vereinzelt spaßhungrige auf der Sommerrodelbahn. Die hochgelegene Burg ist auf einem steilen Schotterweg zu erreichen, wobei uns nur "Wanderer" auf ihrem Abstieg begegneten. Man fährt lieber Bus bis vor die Burgtür. 

Nach einem Gang über asphaltierte Zufahrtswege und Spielplätze zum Waldgebiet erreichten wir realtiv schnell den nächsten Ort. Eine Fähre brachte uns auf die Donauinsel die sich von Visegrád bis in den äußersten Norden Budapests zieht. Das Dorf Kisoroszi dort sieht selten Ortsfremde. In der Dämmerung suchten wir weit ab vom Schuß eine zweite Fähre, die uns zurück zum Zug auf die andere Seite nach Vác bringen würde. Als es wirklich richtig dunkel war, fragten wir lieber nach. Es gäbe keine Fähre mehr, wir müssten zurück zur Visegráder Seite, dort gäbe es einen Bus. Eine Pension hätte lange dicht gemacht. Wir wären vorbereitet gewesen.

An der Bushaltestelle beobachteten wir vorerst den Straßentod einer Unke, gesellten uns hungrig in die kultig anmutende Dorfkneipe auf Pommes und Bier, verbrachten dort die Wartezeit auf den Bus zurück nach Budapest. Punkt 9 wurden wir durch absichtlich offensichtliches Aufräumen von seiten der Kneipendame dann doch rausgeworfen.

Ein Familienausflug zum Zoo stand am Sonntag an, das Foto zeigt das alte Elefantenhaus, ein paar Nilpferde waren auch drin. Einige Gebäude aus der Jahrhundertwende stehen verstreut im Kinder-Wunder-Land mit Streichelzoo und Lollikiosk. Ein Überangebot an Tier und Getier ließ uns fast 5 Stunden im Gelände umherwandeln, danach zog es uns zum Freak Fusion Festival in den TüzRakTér. Ein wahrlich wunderbarer Abend mit Artisten, Gauklern, Jongleuren und Feuershow, drumherum ein heimelndes Ambiente inklusive Bands und Technokeller.

Zur Zeit ist Workshop. Heute begannen wir mit einem lustigen Spiel, bei welchem man gruppenweise städtebauliche Fehler und Mißstände in der Stadt mit gelben Stickern markieren sollte. Morgen wird es aber ernst. Ich bin gespannt.

Mittwoch, 10. März 2010

Wien - Achtung Architektur!

Wie schon eher geplant, waren wir letztes Wochenende in Wien und haben den Andreas besucht.

Der ist schon seit dem letztem Semester dort und absolviert dort sein Büropraktikum. Um uns seinen Arbeitsplatz anzuschauen sind wir auch direkt nach unserer Ankunft dorthin und haben ihn an seiner Wirkungsstätte abgeholt. Aus dem Fenster blickt man dort jeden Tag auf dieses doch recht berühmte Gebäude (http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Secession):

In der Dämmerung besuchten wir die gerade bearbeitete Baustelle, das Zwanziger Haus (http://de.wikipedia.org/wiki/20er_Haus). Die beeindruckende Raumwirkung des ehemaligen EXPO Pavillions konnte man eingerüstet und unter Planen nur erahnen. Außerdem wars scheißkalt, also habens wir nicht so recht lange ausgehalten.

Als Abendgestaltung war der Besuch einer Geburtdtagsfeier einer Freundin von Andreas angesagt, zu dem wir gleich mit Sack und Pack (und mitgebrachten ungarischen Biersorten) aufbrachen. In einer riesengroßen schönen Wohnung wurden wir von sanften Klängen und einem netten aufgedrehten Kind (der Gastgeberin) empfangen. Sehr angenehm war es mal wieder nur Deutsch zu reden, auch wenn das nicht ganz so einfach ist wie es klingt, wenn oberösterreichische auf niederbayrische und sächsische Dialekte treffen.

Komischerweise war die Dichte der Architekturstudenten auch hier recht hoch, aber im Laufe des Abends kamen immer mehr Artfremde. Mit einem sehr gelungenem Kulturbeitrag wurde das Geburtstagskind besungen und auf der Violine bezupft. Danach gabs kein Halten mehr, mit jedem Glas wechselten die Instrumente. Leider wars draußen so kalt, sonst hätte das Lagerfeuer gut gepasst..

Am nächsten Morgen erwachten wir zu diesen Klängen (http://www.youtube.com/watch?v=XJgxSw199QU) - natürlich!  im unbwohnten Kinderspielzimmer und probierten einige der tollen tausend Spielzeuge aus. Sogar eine kleine alte handbetriebene gußeiserne Kinder-Nähmaschine gab es! 

Zum Frühstück gings in eine unerwartet preiswerte Kneipe. Saugemütlich und übelst lecker, ich aß 'griechisch' - mit Cappuchino nur 4,20€. Am Nachmittag brachte uns ein kleiner Streifzug unter kundiger Führung Andreas' die Architekturgeschichte Wiens näher: Burggarten - Palmenhaus - Spanische Hofreitschule - 'Looshaus' - Heldenplatz - Sempermuseen - Museuumsquartier. Die Fülle gut erhaltener und reich beschilderter Baudenkmäler ist wirklich bemerkenswert. Wien ist sauber und prachtvoll - das fällt einem total auf wenn man aus dem Osten anreist. Wenn dann noch zwei beflissene Besserwisser architektonisches Begrifferaten veranstalten, wird's der Carina dann schon mal zu bunt :) 


Das Museumsquartier beinhaltet u.a. das Architekturzentrum und dieses gerade die sehr interessante Ausstellung über die uns bis dahin unbekannte 'arbeitsgruppe 4' (http://www.azw.at/event.php?event_id=1008).Da wir nahezu jedes Wort gelesen und gehört haben, wars draußen schon längst dunkel und es hatte geschneit als wir fertig waren. Zum Glück habe ich meine lange Unterhose in Dresden gelassen! Mist.

Um das Wien-Klischee und unsere knurrenden Mägen zu bestätigen, hieß es zünftig essen im Gasthaus Kopp! Dort gibt es alles frittiert, riesengroß und pur. 1/4 m² paniertes Schwein, Pommes, aus! gab es für mich, Carina probierte vom Backfisch, Andreas aß krustigen Schweinebraten mit Knödel(siehe Bild). Die deftige Tagessuppe vorher hätten wir auch nicht unbedingt essen müssen um satt zu werden, deshalb wurde dann ein Bier mehr und ein Espresso nötig. 


so schön war's!

Leider konnte man sich wegen der Kälte den Magen nicht leerspazieren, deshalb nutzten wir unser 72 h Ticket und fuhren in die Innenstadt. Im Top Kino gabs leider kein top Kino: eigentlich versprach das Motto 'Tricky Women' - also zeitgenössische Animationskurzfilme österreichischer Künstlerinnen- viel, denn bisherige Animationsfilmfestivalbesuche hatten sich immer gelohnt. Liebeskummer, Liebeskummer, Mißhandlung, Liebeskummer, Herzen-raus-reiß!, Liebeskummer, Einsamkeit und ein lustiges Entencomic waren nicht unsere Themen an diesem Abend. 

Sonntagmittag machten wir uns auf den Weg zur Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring (http://www.nextroom.at/building.php?id=2360) - unser architektonischer Streifzug nahm kein Ende. Allerdings konnten wir besagte Kirche erst mithilfe einer resoluten Seniorin finden, denn erst auf unser Rückfahrt nach erster lustloser Suche fragte Sie die gesamte Tram - niemand wusste es. Doch Dank des Einsatzes eines internetfähigen Handys eines freundlichen Wieners konnten wir, mit genauer Anschrift der Pfarrei ausgerüstet, den Weg erneut antreten. Jože Plečnik hat hier die erste Eisenbetonkirche Wiens erbaut und seitdem viele Besucher und auch uns beeindruckt, was weniger am Werkstoff als an der Ausführung und den Details liegt.

Das ist schon lustig, früher wurde man als Kind eher wiederwillig im Urlaub in Kirchen geschliffen, jetzt macht man's von alleine.


Noch viele Ziele, achwas: Gebäude! hätte man sich in Wien ansehen können, z.B. den Karl-Marx-Hof (eines der längste Gebäude der Welt), oder die Werkbundsiedlung; doch wir entschieden uns für's Café Prückel und wurden reich belohnt mit Wiener Kaffeehauskultur!

Und Kaffe und Kuchen natürlich. Und 50er Jahre Einrichtung. Die Premiere des 'Verlängerten mit Sahne' habe ich erfolgreich überstanden - bei der nächsten Bestellung hatte ich dann aber mehr Kaffee und weniger Sahne. In den Wiener Kaffehäusern ist es durchaus üblich, mit dem kleinsten Kaffee 7 Stunden sitzen zu bleiben und die aktuellen Zeitungen zu studieren, was wir so lange wie möglich ausgereizt haben, aber irgendwann mussten wir doch zum Zug.

19.50 Uhr ab Wien Westbahnhof, dann 3,5 h Zugfahrt in der Dunkelheit. Komisch, von einer fremden Stadt kommend in eine fremde Heimatstadt einzufahren.