Donnerstag, 6. Mai 2010

Heimat.

Ein Monat ist schon vorbei? Nee. Kann nich sein, kommt mir vor wie 2 Wochen. Zur Zeit habe ich das Gefühl in der Beschleunigungsmaschinerie zu sitzen. Da hat man in der Uni endlich mal was zu tun, was über eine Anwesenheitspflicht hinausgeht, und schon kommt einem jeder Tag ziemlich kurz vor. Heute haben wir unseren geliebten Ungarischkurs mit einem Test beendet, draußen schüttete es unglaubliche Tonnen Wasser vom Himmel und ich kam mir vor wie in der Schule, unter Neonleuchten saßen wir und beantworteten ein paar Fragen zu unserer Person, hängten Suffixendungen an Nouns und Adjectives, deklinierten schöne Verben. Danach zogen uns unsere Komilitonen ins 24h-Palatschinkenhaus. Alle möglichen Palacsinta für unter 1 Euro, Geschmack nicht inbegriffen.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass mir Budapest ganz gut passt. Ich muss gar nicht mehr zurück;) Wenn es hier aus allen Ecken spriest und der Flieder über die Zäune hängt, lässt es sich hier wunderbar aushalten. Zumal denkt man ziemlich oft an die gezählten Tage unseres Aufenthalts, und wenn dann auch noch der Länge nach Besuche anstehen, fühlt es sich wie Dresden an. Ich schnüffle auch gern mal etwas Kirschblüten:


Die meiste freie Zeit verbringen wir mit Stadtrundgängen. Mitunter kommen einem relativ kuriose Architekturen unter und manchmal sucht man speziell nach bautechnisch Besonderem. Beispielsweise die Autobusgarage in unserem Bezirk. Sie ist ingenieurstechnisch besonders interessant, weil die Halle mit ihren Ausmaßen von 70x100m ohne Mittelstützen auskommt. Als Lösung sah man mehrere, aneinandergereihte, elliptische Betonschalen vor, wobei diese Konstruktion damals in den beginnenden 40er Jahren noch relativ neu und unerprobt war. Der Architekt musste sich lange mit höherer Mathematik auseinandersetzen um die Statik nachweisen zu können. Im aktuellen Foto sieht man nur den Eingangsbereich der Anlage mit Brücke, hinten ein Stück der kurzen Seite der Halle, ein Wachhund schützte auch dort eine enorme Anzahl an Stadtbussen.


Weitere Eindrücke moderner Architektur gewannen wir

entlang großer Zubringerstrassen im Westen der Stadt:


... und am Deli Palyaudvar in mitten der Stadt. 

Die 60er haben hier eine recht kuriose Fassadengestaltung hinterlassen:



Ein Highlight in Budapest Ende April stellte die "Critical Mass" dar. Eine Radfahrerdemo quer durch die Stadt. Sieht ungefähr so aus: 

http://www.youtube.com/watch?v=SGE9zir3T8Q

Der Sinn der Sache ist recht simpel: mehr Radwege, bessere Bedingungen! Im Laufe der Zeit hat sich das Event zu einem Massenradschleppen entwickelt. Über 80.000 Radfahrer demonstrierten, 30.000 mehr als letztes Jahr. Leider haben wir kein Fahrrad hier, ansonsten wären wir mit von der Partie gewesen. Ich glaube, jeder der in der Stadt ein Rad besitzt war an diesem 24. April im Sattel! Die Tour endet im Osten der Stadt, genauer im Stadtwäldchen, dort wird tradtitionsgemäß das Fahrrad in die Luft gehoben und gefeiert.

2 Tage später bekamen wir Besuch von Caro und Tobi. Schön wars! Budapest in 48 Stunden, Sonnenbrand und Blasen an den Füßen. Gellért Hegy, Burg, Fischerbastei, Kettenbrücke, Turmbesteigung St. Istvan Basilika, Szimpla Kert, und abmatten aufm Sofa. Am Abend gabs unerwartet Leberpizza. Conrad hatte sich verbestellt. Köstlich! Am nächsten Tag jedoch holten wir kulinarische Fehlpässe im netten Restaurant "Menza" wieder auf und testeten gleich für den elterlichen Besuch der 3 Tage später folgen sollte.

 

Conrad erklärt Tobi das Funktionsprinzip der Exa. Im Hintergrund sitzen zufällig zwei spanische Erasmusmitstudenten, ebenfalls mit heimatlichem Besuch.


Hier guckt der Helmar riesen Fische im landschaftlich durchgestylten Millenarispark:


Am letzten Wochenende unternahmen wir in Familie wunderbare Touren in den Budaer Bergen, und immernoch haben wir nicht alle umliegenden Hügel erklommen. Unerwartet viele Täler offenbaren sich einem, die sich aus entfernteren Blickwinkeln nicht wahrnehmen lassen, das zieht dann eine Wanderung schonmal in die Länge, aber wir sind ja trainiert. 

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir meine Eltern und begrüßten am Abend Christiane am Gödör. Auf ihrer Durchreise nach Kroatien über Sarajevo blieben noch ein paar Stunden für ein Bier. Soviele vertraute Gesichter! Wunderbar. 

Zur Zeit planen wir unsere Reise nach Ljubljana. Am 24. Mai wollen wir schon dort sein und vorher noch 2 Tage Graz mitnehmen. Danach bleiben uns noch ganze 3-4 Wochen Ungarn. Vielleicht noch Romänien und Siebenbürgen, ein dicker Reiseführer wartet schon auf uns.


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