Montag, 29. März 2010

Raus in die Puszta.

Eine kleine Weile ist vergangen und nun erfasse ich den günstigen Moment zwischen Eisessen und Entspannungsbuchlesen für ein paar Rückblicke der letzten Tage.

Ein Zwischentest in Architekturgeschichte am vorletzten Montag verlangte dem vorangehenden Wochenende unsere volle Aufmerksamkeit ab. Schon 4 Tage vorher kaufte man sich eine riesen Kinder-Malrolle in Tapetenformat bei IKE* um darauf lustvoll den 3m langen Zeitstrahl der beginnenden italienischen und französischen Renaissancearchitektur zu ziehen. Brunelleschi, Alberti, Bramante, Michelangelo, Sangallo und nicht zuletzt Palladio (himself) versüßten uns das Frühlingswetter. Es galt eine Menge Gebäude und dessen Grundriss und Schnitt zu kennen, 30 an der Zahl.

Dann am Montag den 15.3., um 12:15 gab es DREI Fragen mit je DREI Punkten, die es in DREIßig Minuten zu lösen galt. Hach-wir hätten ein halbes Buch schreiben können...

Unser Budapester Freund Feri lud uns letzten Dienstag zu einer Stunde "Wirtschaftsdeutsch" ein. 12 ehrgeizige Ungarinnen lernen dort seit 2 Jahren. Conrad und Carina wurden als "Überraschung des Tages" angepriesen und durften sich der Klasse zunächst vorstellen. Dann bildeten sich zwei Gruppen und plötzlich fanden wir uns in einem Frage-Antwort-Spiel wieder. Eine Podiumsdiskussion ist sicher treffender. Wir sollten aktuelle Tendenzen in Wirtschaft und Politik klären, das deutsche Bildungssystem erläutern. Aber auch weniger heikle Fragen wurden diskutiert, beispielsweise "Stimmt es, dass die Deutschen immer nur Techno hören?"Am Ende wurde den Mädels eine dicke Hausaufgabe aufgedrückt, eine Zusammenfassung über alles Gesagte unsererseits. Haha. Wir hingegen nahmen die Dankeschön-Schokolade und gingen mit Feri auf einzwei Bier in den Pub. 

Am darauffolgenden Wochenende sind wir mit Nina ins 50 km entfernte Visegrád gefahren, das liegt recht idyllisch am Donauknie. Der umliegende Duna Ipoly Nationalpark und ist in der Nähe der Burg eher unidyllischer Massenvergnügungspark für Einheimische und Touristen. Zum Glück ist noch März, da tummeln sich nur vereinzelt spaßhungrige auf der Sommerrodelbahn. Die hochgelegene Burg ist auf einem steilen Schotterweg zu erreichen, wobei uns nur "Wanderer" auf ihrem Abstieg begegneten. Man fährt lieber Bus bis vor die Burgtür. 

Nach einem Gang über asphaltierte Zufahrtswege und Spielplätze zum Waldgebiet erreichten wir realtiv schnell den nächsten Ort. Eine Fähre brachte uns auf die Donauinsel die sich von Visegrád bis in den äußersten Norden Budapests zieht. Das Dorf Kisoroszi dort sieht selten Ortsfremde. In der Dämmerung suchten wir weit ab vom Schuß eine zweite Fähre, die uns zurück zum Zug auf die andere Seite nach Vác bringen würde. Als es wirklich richtig dunkel war, fragten wir lieber nach. Es gäbe keine Fähre mehr, wir müssten zurück zur Visegráder Seite, dort gäbe es einen Bus. Eine Pension hätte lange dicht gemacht. Wir wären vorbereitet gewesen.

An der Bushaltestelle beobachteten wir vorerst den Straßentod einer Unke, gesellten uns hungrig in die kultig anmutende Dorfkneipe auf Pommes und Bier, verbrachten dort die Wartezeit auf den Bus zurück nach Budapest. Punkt 9 wurden wir durch absichtlich offensichtliches Aufräumen von seiten der Kneipendame dann doch rausgeworfen.

Ein Familienausflug zum Zoo stand am Sonntag an, das Foto zeigt das alte Elefantenhaus, ein paar Nilpferde waren auch drin. Einige Gebäude aus der Jahrhundertwende stehen verstreut im Kinder-Wunder-Land mit Streichelzoo und Lollikiosk. Ein Überangebot an Tier und Getier ließ uns fast 5 Stunden im Gelände umherwandeln, danach zog es uns zum Freak Fusion Festival in den TüzRakTér. Ein wahrlich wunderbarer Abend mit Artisten, Gauklern, Jongleuren und Feuershow, drumherum ein heimelndes Ambiente inklusive Bands und Technokeller.

Zur Zeit ist Workshop. Heute begannen wir mit einem lustigen Spiel, bei welchem man gruppenweise städtebauliche Fehler und Mißstände in der Stadt mit gelben Stickern markieren sollte. Morgen wird es aber ernst. Ich bin gespannt.

Mittwoch, 10. März 2010

Wien - Achtung Architektur!

Wie schon eher geplant, waren wir letztes Wochenende in Wien und haben den Andreas besucht.

Der ist schon seit dem letztem Semester dort und absolviert dort sein Büropraktikum. Um uns seinen Arbeitsplatz anzuschauen sind wir auch direkt nach unserer Ankunft dorthin und haben ihn an seiner Wirkungsstätte abgeholt. Aus dem Fenster blickt man dort jeden Tag auf dieses doch recht berühmte Gebäude (http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Secession):

In der Dämmerung besuchten wir die gerade bearbeitete Baustelle, das Zwanziger Haus (http://de.wikipedia.org/wiki/20er_Haus). Die beeindruckende Raumwirkung des ehemaligen EXPO Pavillions konnte man eingerüstet und unter Planen nur erahnen. Außerdem wars scheißkalt, also habens wir nicht so recht lange ausgehalten.

Als Abendgestaltung war der Besuch einer Geburtdtagsfeier einer Freundin von Andreas angesagt, zu dem wir gleich mit Sack und Pack (und mitgebrachten ungarischen Biersorten) aufbrachen. In einer riesengroßen schönen Wohnung wurden wir von sanften Klängen und einem netten aufgedrehten Kind (der Gastgeberin) empfangen. Sehr angenehm war es mal wieder nur Deutsch zu reden, auch wenn das nicht ganz so einfach ist wie es klingt, wenn oberösterreichische auf niederbayrische und sächsische Dialekte treffen.

Komischerweise war die Dichte der Architekturstudenten auch hier recht hoch, aber im Laufe des Abends kamen immer mehr Artfremde. Mit einem sehr gelungenem Kulturbeitrag wurde das Geburtstagskind besungen und auf der Violine bezupft. Danach gabs kein Halten mehr, mit jedem Glas wechselten die Instrumente. Leider wars draußen so kalt, sonst hätte das Lagerfeuer gut gepasst..

Am nächsten Morgen erwachten wir zu diesen Klängen (http://www.youtube.com/watch?v=XJgxSw199QU) - natürlich!  im unbwohnten Kinderspielzimmer und probierten einige der tollen tausend Spielzeuge aus. Sogar eine kleine alte handbetriebene gußeiserne Kinder-Nähmaschine gab es! 

Zum Frühstück gings in eine unerwartet preiswerte Kneipe. Saugemütlich und übelst lecker, ich aß 'griechisch' - mit Cappuchino nur 4,20€. Am Nachmittag brachte uns ein kleiner Streifzug unter kundiger Führung Andreas' die Architekturgeschichte Wiens näher: Burggarten - Palmenhaus - Spanische Hofreitschule - 'Looshaus' - Heldenplatz - Sempermuseen - Museuumsquartier. Die Fülle gut erhaltener und reich beschilderter Baudenkmäler ist wirklich bemerkenswert. Wien ist sauber und prachtvoll - das fällt einem total auf wenn man aus dem Osten anreist. Wenn dann noch zwei beflissene Besserwisser architektonisches Begrifferaten veranstalten, wird's der Carina dann schon mal zu bunt :) 


Das Museumsquartier beinhaltet u.a. das Architekturzentrum und dieses gerade die sehr interessante Ausstellung über die uns bis dahin unbekannte 'arbeitsgruppe 4' (http://www.azw.at/event.php?event_id=1008).Da wir nahezu jedes Wort gelesen und gehört haben, wars draußen schon längst dunkel und es hatte geschneit als wir fertig waren. Zum Glück habe ich meine lange Unterhose in Dresden gelassen! Mist.

Um das Wien-Klischee und unsere knurrenden Mägen zu bestätigen, hieß es zünftig essen im Gasthaus Kopp! Dort gibt es alles frittiert, riesengroß und pur. 1/4 m² paniertes Schwein, Pommes, aus! gab es für mich, Carina probierte vom Backfisch, Andreas aß krustigen Schweinebraten mit Knödel(siehe Bild). Die deftige Tagessuppe vorher hätten wir auch nicht unbedingt essen müssen um satt zu werden, deshalb wurde dann ein Bier mehr und ein Espresso nötig. 


so schön war's!

Leider konnte man sich wegen der Kälte den Magen nicht leerspazieren, deshalb nutzten wir unser 72 h Ticket und fuhren in die Innenstadt. Im Top Kino gabs leider kein top Kino: eigentlich versprach das Motto 'Tricky Women' - also zeitgenössische Animationskurzfilme österreichischer Künstlerinnen- viel, denn bisherige Animationsfilmfestivalbesuche hatten sich immer gelohnt. Liebeskummer, Liebeskummer, Mißhandlung, Liebeskummer, Herzen-raus-reiß!, Liebeskummer, Einsamkeit und ein lustiges Entencomic waren nicht unsere Themen an diesem Abend. 

Sonntagmittag machten wir uns auf den Weg zur Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring (http://www.nextroom.at/building.php?id=2360) - unser architektonischer Streifzug nahm kein Ende. Allerdings konnten wir besagte Kirche erst mithilfe einer resoluten Seniorin finden, denn erst auf unser Rückfahrt nach erster lustloser Suche fragte Sie die gesamte Tram - niemand wusste es. Doch Dank des Einsatzes eines internetfähigen Handys eines freundlichen Wieners konnten wir, mit genauer Anschrift der Pfarrei ausgerüstet, den Weg erneut antreten. Jože Plečnik hat hier die erste Eisenbetonkirche Wiens erbaut und seitdem viele Besucher und auch uns beeindruckt, was weniger am Werkstoff als an der Ausführung und den Details liegt.

Das ist schon lustig, früher wurde man als Kind eher wiederwillig im Urlaub in Kirchen geschliffen, jetzt macht man's von alleine.


Noch viele Ziele, achwas: Gebäude! hätte man sich in Wien ansehen können, z.B. den Karl-Marx-Hof (eines der längste Gebäude der Welt), oder die Werkbundsiedlung; doch wir entschieden uns für's Café Prückel und wurden reich belohnt mit Wiener Kaffeehauskultur!

Und Kaffe und Kuchen natürlich. Und 50er Jahre Einrichtung. Die Premiere des 'Verlängerten mit Sahne' habe ich erfolgreich überstanden - bei der nächsten Bestellung hatte ich dann aber mehr Kaffee und weniger Sahne. In den Wiener Kaffehäusern ist es durchaus üblich, mit dem kleinsten Kaffee 7 Stunden sitzen zu bleiben und die aktuellen Zeitungen zu studieren, was wir so lange wie möglich ausgereizt haben, aber irgendwann mussten wir doch zum Zug.

19.50 Uhr ab Wien Westbahnhof, dann 3,5 h Zugfahrt in der Dunkelheit. Komisch, von einer fremden Stadt kommend in eine fremde Heimatstadt einzufahren. 

die Stadt [város]


Budapest entwickelte sich aus 3 verschiedenen unabhängigen Städten zu dem, was es heute ist.

Der Teil, der heute am unwichtigsten ist, stellt dabei die erste erwähnenswerte Siedlung im heutigen Stadtgebiet dar: Óbuda.
Das war mal ein römisches Militärlager ('Aquinum') und Provinzhauptstadt am Westufer der Donau, die damals den Verlauf des Limes markierte. Óbuda liegt heute als Stadtteil am nördlichen Stadtrand. Die Pestseite der Donau war damals Sumpfgebiet, nur eine ganz kleine Befestigung befand sich dort (heute kommt dort die große weiße Elisabeth-Brücke an).
Im Mittelalter entwickelte sich auf dem Budaer Berg eine Burg mit Stadt.
Erst später, aber noch im Mittelalter entstand eine Händlerstadt im Gebiet des heutigen ersten Ringes, der auch den Verlauf der Stadtmauer darstellt.
Mit der Ottomanischen Herrschaft (1541-1686) kamen original türkische Bäder und die Umnutzung der Felder zu Weidegebieten: die Puszta entstand und Ungarn schwang sich zur Versorgernation (West)Europas auf. 



Die landwirtschaftlichen Güter wurden alle durch das Nadelöhr Pest befördert, d.h. genau daran vorbei, denn den Viehmarkt wollten die Pester nicht in der Stadt haben. Deshalb entstand die erste Brücke auch nördlich der damaligen Stadtmauer (heutige Kettenbrücke).
Pest war als landwirtschaftliches Handelszentrum und immer mehr Produktionszentrum wichtiger als die Budaburg geworden und wuchs kräftig, v.a. mit der Vertreibung der Ottomanen (1686) mithilfe der Habsburger. Gegen diese wiederum wurde sich 1848 aufgelehnt - nächste Woche Montag am 15. März wird dessen gedacht  Mit der industriellen Revolution entstanden Fabriken, spekulativ geplante Stadtviertel und nach einer den Großteil der mittelalterlichen Bebauung Pests vernichtenden Flut (1838) auch viele neue öffentliche Gebäude im ehemaligen mittelalterlichen Stadtzentrum. 
Der Zusammenschluss zu Budapest erfolgte um 1870.


Unsere Uni steht auf künstlich gewonnenem Land, denn kurz vor der Jahrhundertwende wurde die sich südlich ab dem Gellertberg verbreiternde Donau in ihrem natürlichen Lauf korrigiert. Auf der linken Karte kann man im Süden gut den Damm erkennen, der den neuen Uferverlauf markiert. Die rote Fläche markiert den heutigen Standort der BME, der rote Punkt weiter westlich unser jetziges Domizil.

 Denn 1896 wurde das Millennium der ungarischen Landnahme gefeiert und am damaligen Stadtrand wurde eben neues Land für einen Vergnügungspark gewonnen, außerdem wurde das Stadtwäldchen (Városliget) neu beplant und die erste elektrische U-Bahn auf europäischem Festland gebaut. Die damaligen Randgebiete der Stadt sind mittlerweile natürlich von vielen weiteren Stadtschichten umwallt.

Im 2.Weltkrieg wurde Budapest teilweise zerstört, dennoch bietet sich ein recht einheitliches Bild. Alle Donaubrücken sind aber Rekonstruktionen. An manchen Häusern sieht man Granatensplittereinschläge im Putz und die Häuser sehen auch so aus als wären sie seitdem nie verändert worden. 

Wie viele andere andere europäische Großstädte wuchs Budapest weiterhin kräftig, die Auswüchse der autogerechten Stadt merkt man aber nicht so stark, wie z.B. in Dresden. Ein Problem stellt die vielbefahrene Ost-West-Achse dar, die mitten durch das Zentrum Pests vom Astoria über die Elisabeth-Brücke nach Westen läuft und den Park zwischen Gellérthegy und Burgberg zerschneidet. Dem Autoverkehr wird recht viel Raum zugestanden, die fußgängigen Bewohner haben recht wenig Ausweichflächen, und wenn dann sind alle versiegelt: für den 5.Bezirk (=ehemaliges mitelalterliches Pest) steht der Bevölkerung gerade mal ein öffentlicher Park zur Verfügung:

Die Dichte wird auch am Preisvergleich Wohnraum (35m² Wohnung kaufen: 9 Mio Forint) und Parkraum (Privatparkplatz: 3 Mio Forint) deutlich.


Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wurden einige schicke Plattenbausiedlungen gebaut, in einer leben bis zu 40000 Menschen. Die haben wir bisher meist nur von der Ferne gesehen.  
Aller Wohnungsbesitz, der im Sozialismus in staatlichem Besitz war, konnte kurz nach der Wende in einem kurzen Zeitraum von den Mietern für billig Geld gekauft werden. Das hat zur Folge, das heute über 95% des Wohnungsbesitzes Privateigentum sind. Das bedeutet aber auch, dass die Häuser von den Besitzergemeinschaften in Ordnung gehalten werden müssen, was in den allermeisten Fällen nicht funktiniert. Der große Anteil Altbausubstanz, der durch die sozialistische Glocke bis jetzt überlebt hat, wird nun also doch langsam dem Verfall preisgegeben. Dazu, dass ein nicht zentrales Gründerzeitviertel wie z.B. die Dresdner Neustadt schon wieder fast komplett renoviert ist, wird es hier wahrscheinlich nie kommen.
Für die (wohlhabende) Bevölkerung, die attraktiven Wohnraum sucht, gibt es im Stadtzentrum keine Alternativen, deshalb ziehen viele in die Peripherie und bauen sich dort ein schönes Häusl. Das macht sich auch in der seit der Wende sinkenden Einwohnerzahl bemerkbar (1990: 2 Mio - 2010: 1,7 Mio). Die freigewordenen Wohnungen im Stadtzentrum können nun billig an Erasmusstudenten vermietet werden.  
Das Hostel, in dem wir die erste halbe Woche verbrachten, ist auch so ein Fall. Da wartet der Hausbesitzer nur, bis er Geld/Investoren genug hat, um in der besten Lage gegenüber des Nationalmuseums die alte Bude abzureißen und ein neues Haus zu bauen. Bis dahin kann der Hostelbesitzer mit seiner Etage machen was er will.

Auf der Budaer Seite in den Hanglagen sieht vieles netter aus, dort haben schon immer die betuchteren Bürger gewohnt. Dort ist es auch nicht so dicht, aber die Stadt wächst immer mehr in die Berge und letzte verbliebene Grundstücke werden teuer bebaut.

Für Entwicklungen neuer Stadtquartiere gibt es nur Platz auf ehemaligen Brachflächen oder durch Umnutzungen:

Für die EXPO '95 Wien-Budapest ist schon gebaut worden, als klar wurde, das das Geld nicht ausreicht. Übrig bleib das Gebiet links der Donau, dessen Gebäude nun Universitäten übernommen haben. Der Rest in städischem Besitz, wie die Freianlagen, Straßen, Fußwege, das fast fertige Stadion - verfällt.

Nur ein einziger fertiger Pavillion - der des Vatikans, behauptet sich als katholische Kirche.


Auf dem Gebiet rechts der Donau wurde vor ein paar Jahren ein großer Güterbahnhof geschlossen und der gewonnene Grund an Investoren verkauft. Leider nicht mit einkalkuliert in die Grundstückspreise wurde die Umlegung der S-Bahn, die zwischen der Donau und dem Gebiet verläuft. So bietet sich dem Besucher heute dieses Bild: 10m begrünter Uferstreifen, Maschendrahtzaun, zweigleisige Bahnstrecke, 20m Privatpark der Bürokomplexe und dann die Bürokomplexe selbst. Am südlichen Ende dieser Top-Lage befindet sich, begrenzt eben von der SBahn, der Schnellstraßen- und der Eisenbahnbrücke (dahinter ein OBI) und einer Ausfallstraße mit Tram im Osten - die Nationaloper und der Palast der Künste mit dem Ludwigmuseum (Wir berichteten: 'Valentin nap'). Diese spezielle Lage war uns damals schon aufgefallen, allerdings wird es noch besser, denn das Nationaltheater sollte eigentlich gar nicht dort stehen: das schon fertige, hochsensibel-schockabsorbierende Fundament und Untergeschoss steht schon mitten im Stadtzentrum am Deak Tér. Das ist jetzt der vormals erwähnte Club 'Gödör' ( 'Hegy [der Berg]' ). Nach einem Regierungswechsel wurde der angefangene Bau gestoppt und der Architekt des Privathauses des neuen Ministerpräsidenten durfte dann die Nationaloper bauen.

Na dann!

Montag, 1. März 2010

Rückblick

Eine montag-morgentliche Unachtsamkeit  ruinierte heute beinahe 60.000 Ft, was doch recht viel ist. Man dividiere durch 270. Dabei war es nichtmal 6 Uhr 30, sondern 10 Uhr! 

Zuvor:

Zwei Tage nach unserer Teilnahme am International Evening beköstigten wir unsere neuen ungarischen Freunde mit Ofenkartoffeln und Sauerrahm (=Tejföl). Wir lernten also zum IE nicht nur leckeres und unleckeres  aus allen Teilen der Welt kennen, sondern auch allerlei Gesöff, womit es allen und uns recht leicht fiel, Studenten aus allen Teilen der Welt näher zu inspizieren. Eine Rundschau: Die Brasilianer mixten Caipi und Erdbeerzeug in dafür eher unpraktisch anmutenden Plastikbechern. Nach 4 Minuten langem Warten, ging dann der Becher durch 40 Hände und der Strohhalm steckte in ebensovielen Mündern, sofern der Becher nicht sowieso schon restlos entleert beim letzten Dürstenden ankam. Die Schweden kauften bei IKE* fix Knäcke, Fisch und Dips, die Kanadier übergossen alte Pommes mit Wurstsuppe und Käse, die Griechen kneteten Elefantenpopel, reichten dazu Salat, am benachbarten Türken-Stand gabs Weißes, puddingähnliches mit Zimt, die Deutschen waren Herren der Kartoffel. Aber die Eierschecke war knüllerhaft! Danke Conrad, dass es kein Kartoffelkuchen war!! Das meiste jedoch, und ich glaube alles probiert zu haben, war sehr lecker, eine unglaubliche Menge. Punkt 10 wurde die mittlerweile nur noch trinkende Meute zusammengetrommelt, das Etablissement zu verlassen und einer weiteren Party beizuwohnen ...

Als am Freitag Familie Windisch, welche Bekannte von Conrad´s Großvater sind, zum Abendessen und Kennenlernen einlud, wurden wir wieder einmal belehrt, wofür Tejföl alles gut ist. Zur Gemüsesuppe, zum Pilzragout mit Reis, und schließlich als topping zum panierten Aprikosenknödel.  Ein Haushalt der 8 Kinder großzog hat einen Küchentisch, an dem ich Istvan Windisch ca. 3 Meter entfernt gegenüber saß. Das Ehepaar spricht fließend deutsch, lebte in den 70ern 4 Jahre in Dresden. Unser "ungarisch" fand daher bisher höchst selten Verwendung. Man lernt hier eben schon in der 2. Klasse deutsch. Oder die Mutter ist Deutschlehrerin, oder man hat schon dort studiert ... Um noch mehr von Familie Windisch kennenzulernen, sind wir prompt zum Familienfest Mitte März geladen, "... ein oder zwei Leute mehr machen keinen Unterschied." 

Am Wochenende untersuchten wir erneut das außerstädtische Gebiet auf Wandertauglichkeit. Es dauert sehr lange, bis man von asphaltierten Wegen wegkommt, auf denen Mutti, Papi und Omi und Enkel und Hund und weiße Schühchen spazieren gehen. (ok, Sonne, Wochenende) 3 Aussichtstürme auf 3 Hügeln, wobei der letztere auch am einsamsten war, dürfen wir nun als erkundet markieren. Unsere Schuhe brauchen nach dem Schlamm-Overkill eine pedantische Reinigung.

Heute hatte ich eine Einführung in zwei neue one-credit-courses. Der erste nennt sich "Space and Light", (Kubus basteln, mit Lampe reinleuchten, Foto machen, Modell entwickeln) wird unterrichtet von einer Architektin/Designerin, die, nicht älter als ich, schon bissl paar mehr Abschlüsse hat. Nämlich diese beiden genannten. Im Anschluss daran gab es eine Einführung zu einem Kurs, welchen sie auch gleich leitet: "Identity Design". Dort lernt man, sein eigenes Portfolio zu gestalten, zum Anfang wird man ein Logo der eigenen Person entwerfen. "You have to show the people, that you are the best." Layouttechnisch war das leider nicht besonders stark. Mädchenfragen wie "Portfolio hoch-oder querformatig" wurden natürlich ausführlichst beantwortet.

Ein Einblick in ungarische künstlerische Aktivitäten der Dozentin gibts hier: www.maak.hu