Der ist schon seit dem letztem Semester dort und absolviert dort sein Büropraktikum. Um uns seinen Arbeitsplatz anzuschauen sind wir auch direkt nach unserer Ankunft dorthin und haben ihn an seiner Wirkungsstätte abgeholt. Aus dem Fenster blickt man dort jeden Tag auf dieses doch recht berühmte Gebäude (http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Secession):
In der Dämmerung besuchten wir die gerade bearbeitete Baustelle, das Zwanziger Haus (http://de.wikipedia.org/wiki/20er_Haus). Die beeindruckende Raumwirkung des ehemaligen EXPO Pavillions konnte man eingerüstet und unter Planen nur erahnen. Außerdem wars scheißkalt, also habens wir nicht so recht lange ausgehalten.
Als Abendgestaltung war der Besuch einer Geburtdtagsfeier einer Freundin von Andreas angesagt, zu dem wir gleich mit Sack und Pack (und mitgebrachten ungarischen Biersorten) aufbrachen. In einer riesengroßen schönen Wohnung wurden wir von sanften Klängen und einem netten aufgedrehten Kind (der Gastgeberin) empfangen. Sehr angenehm war es mal wieder nur Deutsch zu reden, auch wenn das nicht ganz so einfach ist wie es klingt, wenn oberösterreichische auf niederbayrische und sächsische Dialekte treffen.
Komischerweise war die Dichte der Architekturstudenten auch hier recht hoch, aber im Laufe des Abends kamen immer mehr Artfremde. Mit einem sehr gelungenem Kulturbeitrag wurde das Geburtstagskind besungen und auf der Violine bezupft. Danach gabs kein Halten mehr, mit jedem Glas wechselten die Instrumente. Leider wars draußen so kalt, sonst hätte das Lagerfeuer gut gepasst..
Am nächsten Morgen erwachten wir zu diesen Klängen (http://www.youtube.com/watch?v=XJgxSw199QU) - natürlich! im unbwohnten Kinderspielzimmer und probierten einige der tollen tausend Spielzeuge aus. Sogar eine kleine alte handbetriebene gußeiserne Kinder-Nähmaschine gab es!
Zum Frühstück gings in eine unerwartet preiswerte Kneipe. Saugemütlich und übelst lecker, ich aß 'griechisch' - mit Cappuchino nur 4,20€. Am Nachmittag brachte uns ein kleiner Streifzug unter kundiger Führung Andreas' die Architekturgeschichte Wiens näher: Burggarten - Palmenhaus - Spanische Hofreitschule - 'Looshaus' - Heldenplatz - Sempermuseen - Museuumsquartier. Die Fülle gut erhaltener und reich beschilderter Baudenkmäler ist wirklich bemerkenswert. Wien ist sauber und prachtvoll - das fällt einem total auf wenn man aus dem Osten anreist. Wenn dann noch zwei beflissene Besserwisser architektonisches Begrifferaten veranstalten, wird's der Carina dann schon mal zu bunt :)
Das Museumsquartier beinhaltet u.a. das Architekturzentrum und dieses gerade die sehr interessante Ausstellung über die uns bis dahin unbekannte 'arbeitsgruppe 4' (http://www.azw.at/event.php?event_id=1008).Da wir nahezu jedes Wort gelesen und gehört haben, wars draußen schon längst dunkel und es hatte geschneit als wir fertig waren. Zum Glück habe ich meine lange Unterhose in Dresden gelassen! Mist.
Um das Wien-Klischee und unsere knurrenden Mägen zu bestätigen, hieß es zünftig essen im Gasthaus Kopp! Dort gibt es alles frittiert, riesengroß und pur. 1/4 m² paniertes Schwein, Pommes, aus! gab es für mich, Carina probierte vom Backfisch, Andreas aß krustigen Schweinebraten mit Knödel(siehe Bild). Die deftige Tagessuppe vorher hätten wir auch nicht unbedingt essen müssen um satt zu werden, deshalb wurde dann ein Bier mehr und ein Espresso nötig.
so schön war's!
Leider konnte man sich wegen der Kälte den Magen nicht leerspazieren, deshalb nutzten wir unser 72 h Ticket und fuhren in die Innenstadt. Im Top Kino gabs leider kein top Kino: eigentlich versprach das Motto 'Tricky Women' - also zeitgenössische Animationskurzfilme österreichischer Künstlerinnen- viel, denn bisherige Animationsfilmfestivalbesuche hatten sich immer gelohnt. Liebeskummer, Liebeskummer, Mißhandlung, Liebeskummer, Herzen-raus-reiß!, Liebeskummer, Einsamkeit und ein lustiges Entencomic waren nicht unsere Themen an diesem Abend.
Sonntagmittag machten wir uns auf den Weg zur Heilig-Geist-Kirche in Wien-Ottakring (http://www.nextroom.at/building.php?id=2360) - unser architektonischer Streifzug nahm kein Ende. Allerdings konnten wir besagte Kirche erst mithilfe einer resoluten Seniorin finden, denn erst auf unser Rückfahrt nach erster lustloser Suche fragte Sie die gesamte Tram - niemand wusste es. Doch Dank des Einsatzes eines internetfähigen Handys eines freundlichen Wieners konnten wir, mit genauer Anschrift der Pfarrei ausgerüstet, den Weg erneut antreten. Jože Plečnik hat hier die erste Eisenbetonkirche Wiens erbaut und seitdem viele Besucher und auch uns beeindruckt, was weniger am Werkstoff als an der Ausführung und den Details liegt.
Das ist schon lustig, früher wurde man als Kind eher wiederwillig im Urlaub in Kirchen geschliffen, jetzt macht man's von alleine.
Noch viele Ziele, achwas: Gebäude! hätte man sich in Wien ansehen können, z.B. den Karl-Marx-Hof (eines der längste Gebäude der Welt), oder die Werkbundsiedlung; doch wir entschieden uns für's Café Prückel und wurden reich belohnt mit Wiener Kaffeehauskultur!
Und Kaffe und Kuchen natürlich. Und 50er Jahre Einrichtung. Die Premiere des 'Verlängerten mit Sahne' habe ich erfolgreich überstanden - bei der nächsten Bestellung hatte ich dann aber mehr Kaffee und weniger Sahne. In den Wiener Kaffehäusern ist es durchaus üblich, mit dem kleinsten Kaffee 7 Stunden sitzen zu bleiben und die aktuellen Zeitungen zu studieren, was wir so lange wie möglich ausgereizt haben, aber irgendwann mussten wir doch zum Zug.
19.50 Uhr ab Wien Westbahnhof, dann 3,5 h Zugfahrt in der Dunkelheit. Komisch, von einer fremden Stadt kommend in eine fremde Heimatstadt einzufahren.
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