Sonntag, 6. Juni 2010

Pfingstreise, Graz und der letzte Besuch

Nachdem wir nun die Uni hier am 18. Mai mit einer Präsentation unseres kleinen Städtebauprojektes beendeten, machten wir uns auf nach Ljubljana, Slovenien. Im Zugabteil leisteten uns 9h lang 2 junge Männer aus Belgien bzw. Uruguay Gesellschaft, was mir ganz lieb war, denn noch bevor der Zug aus dem Budapester Deli Palyaudvar fuhr, wurden wir bebettelt. Direkt, bei geschlossener Abteiltür. Dreist! Und nervig.

Während die Fahrt durch Ungarn landschaftlich relativ gleichbleibend langweilig flach verlief, wurde es in Slovenien richtig wunderbar! Das Land hat uns schnell begeistert. Es ist nicht - wie vorher fälschlicherweise angenommen - ein grummeliges Ostblockland, sondern ziemlich gestriegelt deutschig. Selbst Gartenzwerge wurden gesichtet, frisch gestrichene Häuser, Kieseinfahrten, neue Autobahnen, und soweit das Auge reicht: Hügel, Berge, Felder - und nicht zuletzt schneebedeckte Gipfel der südlichen Alpen am Horizont! Hinzu kam bestes Wetter, ein spitzen Hostel und ein Wiedersehen mit unseren Freunden, mit denen wir jedes Jahr zu Pfingsten eine Woche verreisen. Ljubljana ist mit 280.000 Einwohnern ziemlich übersichtlich, das ganze Land hat nur 2 Mio. Einwohner. Die meisten Slovenen verstehen Deutsch und Englisch, selbst die Älteren. Es scheint ein beliebtes Reiseland zu sein. Viele Deutschsprachige hörten wir, mit dem Auto aus Österreich ist es auch nur ein Steinwurf entfernt. 

Einen äußerst erholsamen Tag verbrachten wir in Bled. Der Ort liegt am Fuße der Alpen im Norden des Landes. Im Sommer wird man sich dort vor Touristenansturm nicht mehr retten können, aber wir waren glücklicherweise jetzt schon dort. Häufig überlegten wir, welches Ereignis diesen kitschigen Ort noch kitschiger macht. Wir umrundeten einmal den See von Bled, aus dessen Mitte eine Insel ragt, auf der eine Kirche zu besichtigen ist. Für 15 Euro kann man sich in einem Boot für 10 Personen dort hinüber schippern lassen, die Freitreppe zur Kirche hinaufgehen und sich einmal im Kreis drehen. Die Insel ist sehr klein, der Ausflug dürfte kaum eine Stunde dauern. Das Panorama ist hier zu sehen:

Insel mit Kirche und Freitreppe

Picknick am Bleder See

Am Ende des Tages wurden wir von einem Schwan attackiert. Er störte unser Abschlusspicknick und war nahe dran, meine und andere Schuhe in den See zu werfen. Grundlos schnappte er wild umsich und vertrieb die ganze Gruppe. Arsch!

Eine interessante Ausstellung lief uns am vorletzten Tag über die Leber: "Laibach - Gesamtkunst". Eine slovenische Künstlergemeinschaft die sich mit Totalitarismus und Ideologien auseinandersetzte. In ihren Ausstellungen zu Beginn der 80er Jahre zeigten sie die sog. Nazi-Kunst, trugen Kleidung und Verhaltensweisen ansich, die stark an den Nationalsozialismus erinnert. Heimatbilder, Schäferhunde, starrer Blick in den Himmel, ein schwarzes Kreuz als Signet. Immermehr widmeten sie sich der Musik und sind heute mehr als Band, denn als Künstler bekannt. http://www.laibach.nsk.si/recapitulation-2009-gallery/

Tür in der Universitätsbibliothek Ljubljana

Nach 5 Tagen Ljubljana und einer gehörigen Portion Jože Plečnik (siehe oben) reisten Conrad und ich weiter nach Graz zu Lukas und Hieu. 2 Tage blieben uns dort. Schon deutlich erledigt von langen Nächten in Slovenien ging uns ein wenig die Puste aus. Also gingen wir alles ziemlich ruhig an, die Stadt ist erlaufbar, blöd nur, dass es ununterbrochen regnete und die Temperaturen sich im gefühlten einstelligen Bereich befanden. Graz ist eine gemütliche Stadt, die im Gegensatz zu Budapest wenig Reibungsfläche besitzt. Viel zeitgenössische Architektur gabs aufs Auge. Im Kunsthaus Graz gabs BLESS N°41 und das Gebäude ansich. Sicher ist euch dieses bekannt: http://www.museum-joanneum.at/de/kunsthaus/das_gebaeude_1

the needle - Aussichtsplattform am Kunsthaus Graz, draußen Regen

Wir blickten neidvoll auf die gute Organisation der Architektur-Fakultät der TU. Dort gibt es Arbeitsräume, genannt "Zeichensäle" für umsonst, im Ober- und Dachgeschoss der Uni finden einige Architekturstudenten Platz. Da die Plätze aber auch dort begrenzt sind, gibt es zu Beginn jedes Semesters ein langes, internes Auswahlverfahren über Neuankömmlinge. Die Räume sind ca. 200m² groß, sind mit Plotter, Beamer und Modellbaukram ausgestattet. Perfekte Arbeitsatmosphäre! Natürlich wird der Raum auch mal für eine kleine Feierei umgenutzt.

Seit knapp einer Woche sind wir nun wieder in unserer Wohnung, fanden es eigentümlich nach der Reise wieder hierher zurückzukehren, zumal wir nur noch wenige Tage hier haben. Wir planen gerade einen motorisierten Ausflug Richtung Siebenbürgen. Unsere Wanderschuhe haben Bedarf angemeldet, sie verstauben gerade ziemlich.

Anne Sophie und Conrad im Burgviertel

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