Dienstag, 16. Februar 2010

Valentin nap

Wir waren am Freitag leider nicht bei den White Angels, aber der Strom geschmackvoller Einladungen zu MEGA Partys reißt trotzdem nicht ab.

Gestern kam ich in Baugeschichte mit einem Norweger ins Gespräch, der hier sein komplettes Studium absolviert, und das Gespräch fing in etwa so an:

Hey are you an exchange student?
- Yes, an Erasmus student.
Cool, how long have you been here?
-It's my first week here.
And you're still sober?

Wir sträuben uns noch etwas, die anscheinend typischen Verhaltensweisen der internationalen Studentenschaft anzunehmen, aber das kann ja auch daran liegen, dass man nicht allein in der Fremde ist.
So sitzen wir eigentlich bisher immer mal in unsrer gemütlichen Wohnung, essen leckeres Selbsgekochtes und fragen uns gegenseitig die letzte Ungarisch-Lektion ab.
In der Wohnung hängen kleine Vokabel-Zettel, v.a. die konzentrierte Atmosphäre des kleinen Klos lädt zum Studium der Zahlen bis 20 oder der Jahreszeiten ein.


In der Uni ist die Unterrichtssprache ja Englisch, was ganz gut zu verstehen ist, außerdem ist es ganz hilfreich, die Fachbegriffe mal auf Englisch zu hören. 
Das Angebot der in Englisch gehaltenen Fächer wächst stetig an der Uni, seit dem letzten Semester soll das Angebot für die internationalen Studenten und die Ungarn sogar identisch sein.
Das klappt noch nicht überall, da manche Lehrer schlecht Englisch sprechen. Uns betrifft das bisher aber noch nicht, das kann daran liegen, dass noch nicht alle Fächer begonnen haben, oder uns aber nur gut verständliche Fächer angeboten wurden.
Wir mußten uns ja schon vor der Abreise in Fächer einschreiben, ohne zu wissen, in welchem Semester die im Lehrplan vorgesehen sind oder zu welcher Zeit die in der Woche stattfinden.
So basteln wir uns gerade unseren Stundenplan selbst zusammen, indem man erstmal zu allem hingeht, wovon man weiß, in welchem Raum des etwas unübersichtlichen Unihauptgebäudes es stattfindet.
Dann muss man sich fix einschreiben, um einen Fuß in der Tür zu haben und überlegt später, ob das Fach einen weiterbringt oder interessant ist.

So jetzt noch mehr Unibilder:



Reinforced Concrete Structures (Theorie, Bemessung, Entwurf von bewährten Betonelementen)- ganz interessant, aber das hatte man schon mal (fast), außerdem ist der Ungarisch-Kurs zur selben Zeit.

Building Construction - Baukonstruktionslehre: sehr früh, 2 solcher Entwürfe mussten wir schon im Grundstudium machen.

History IV - Renaissance- und Barockarchitektur: dauert lange und ist sehr interessant. Der Prof spricht besser Deutsch als das sehr gut verständliche Englisch und meinte, wir könnten unsere Abgabeleistungen auch in deutsch verfassen. Aber wie gesagt wollen wir die englischen Fachbegriffe ja lernen! Man muss mitzeichnen und spürt noch einen Hauch der Alten Schule, wenn der Prof traumwandlerisch sicher die griechischen Gesimsprofile auspackt. Am Ende des Kurses muss man seine Skizzen und die aquarellierte Analyse einer Fassade eines italienischen Palazzo abgeben. So etwas hatte ich mir erhofft! Das Interesse der meisten Mitstudenten hält sich allerdings in Grenzen und so gehts zu wie in der Grundschule, nur das man sich jetzt seine fancy mobile phones oder glitzernden Handtaschen zeigt. Aber zum Glück kann man damit ja am Ende der Stunde das Tafelbild abfotografieren!

Drawing VIII - Wir hatten eigentlich auf eine knüppelharte Zeichenstunde gehofft, in der man Perspektiven oder die Anatomie eingetrichtert bekommt, aber leider haben wir den fortgeschritensten Kurs erwischt, der auf den ganzen knüppelharten Kenntnissen aufbaut und das erste mal in der hiesigen Hochschulausbildung eine "eigene Ausdrucksmöglichkeit" ermöglicht: Farblehre und -komposition abstrakter Formen. Der Lehrer ist ganz stolz auf diesen Kurs, denn er stellt eine Neuerung im altbackenen Lehrplan dar.

Vielleicht dürfen wir ja noch bei einer anderen Zeichenstunde mitmachen. Die Beispielzeichnungen in den Gängen des Lehrstuhl setzen die Latte ganz schön hoch. Alte Schule.

Urban Design 1+2 - klingt sehr vielversprechend. Beschäftigt sich mit Budapest, dessen Geschichte, aktueller Situation und der daraus resultierenden Probleme. Da gehts dann in die Stadt. In der zweiten Hälfte des Semesters steht dann ein Entwurf eines öffentlichen Platzes in Budapest an.

Am Freitag haben wir durch Zufall bei Diplomverteidigungen von ausländischen regulären Studenten zuhören können, das war sehr interessant! Und teilweise schauerlich- aber technisch sauber detailliert. Viele persische Studenten gibts hier, aber die Arbeiten der ungarischen Studenten waren deutlich besser. Unserem Anschein nach werden viele persische Kinder von Ihren Eltern ins Alte Europa geschickt um dort zu studieren. Das ist sicher mit Stdiengebühren verbunden, den alle gesehenen Entwürfe wurden zum Bestehen des Diploms vorgeschlagen, obwohl das meiste Gesehene nicht durch unsere Kommissionen käme. Aber mal sehen ob das generell so ist, wir waren ja nur bei einer Präsentation.

leckere Verpackung:
Das Wochenende begann mit einem Samstag im Ludwig Museum, das ist etwas Donau- abwärts in einer Neubauregion. Daneben steht dieses schiffartige Gebäude - die Nationaloper:

Im Wasserbecken liegen auch Kopien antiker Tempelfronten. Das Ludwig Museum ist direkt dahinter der Kasten mit den Streifenfenstern. Dahinter wiederum kommt eine Donaubrücke am Ufer an, dahinter steht einer der berühmten Budapester OBIs.

Im LuMú gabs eine sehr interessante Video- Ausstellung mit dem Namen "Behind the Iron Curtain" (oder so). Künstler ehemaliger Ostblockstaaten waren mit Arbeiten der letzten 20 jahre vertreten. 

Glenn Brown ist das derzeitige Zugpferd. Informationsheft: 



Auf dem weg dorthin sind wir zum wiederholten Male flugblattverteilende Parteiangehörigen der Jobbik Partei begegnet (jobbra - rechts), die uns komischerweise nicht umworben haben.  Derzeit  ist im Plakat Wahlkampf nur diese Partei vertreten, mal sehen wie es da weitergeht.


Der Valentinstag brachte eine große Runde, beginnend auf unserer Budaer Seite um/über den Gellertberg (Snowboarder im Gellertpark), die Gegend hinter dem Burgberg und zurück über die Margarethenbrücke und Oktogon.
Viele Damen trugen Rosen.

Das ganze Wochenende hat es getaut, es wird hoffentlich bald mal Frühling. 

Bis später!
Cuno



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